Programmübersicht 2026
Eine Oper der Zukunft für Bonn?!
Unsere Argumente siehe "Oper der Zukunft", Navigation rechts
Hier finden Sie einen Überblick unserer aktuellen Programmreihen und was wir in diesem Jahr damit vorhaben:
Unsere Position.
Nicht berücksichtigte Argumente/Berechnungen zu den Varianten A - E
ZBB
Zum Standort der Oper
Zum Standort Werkstätten Beuel
Zum Standort Schauspiel Bad Godesberg
1. 1. Die
Risiken einer Sanierung der bisherigen Oper müssen explizit und gründlich
ermittelt werden. Falls die Nicht-Sanierbarkeit (in Bezug auf Zeit und Kosten)
zutrifft, scheidet die Variante A (Erhalt
der Oper) aus.
2. 2. Die
Sichtbarkeit einer Oper für die Beethovenstadt Bonn ist von solch großer Tragweite,
in ihrer städtebaulichen Bedeutung, ihrer nachhaltigen
Langzeitwirkung und im Hinblick auf die überregional sichtbare Standort-Attraktivität für Wirtschaft, UN, Bundespolitik und Universität,
dass sie nicht zuvörderst nach Kassenlage entschieden
werden kann.
3. 3. Die
Stadt verspricht: Für die Nachnutzung des
dann freiwerdenden Grundstücks der Oper … eröffnet sich für Bonn die
Perspektive an dieser Stelle sowohl eine Öffnung zum Rheinufer als auch eine
neue hochwertige städtebauliche Komponente zu entwickeln.“
Um zu verhindern,
dass hier eine gefährliche Brennpunkt-Brache entsteht,
müsste das im gleichen dringlichen Zeitfenster entschieden werden.
Ganz abgesehen davon, dass es bisher
keine Idee für
eine „hochwertige städtebauliche Lösung“ gibt, dürfte diese einen zusätzlichen dreistelligen Millionenbetrag verschlingen.
4. Das Unsichtbar-Machen
der Fertigbau-Oper
hinter Backstein-Kulissen in einer Hinterhof-Situation ist ein Schritt zum
Bedeutungsverlust für die Stadt. – Ein ohnehin schon unsichtbares Haus kann
leichter (nach Kassenlage) dicht gemacht werden.
5. Die Kosten der massiven notwendigen Infrastruktur-Veränderungen in Beuel (verkehrliche Erreichbarkeit und
Standort-Attraktivität) sind in der bisherigen
Kalkulation nicht einbezogen.
3. 6. Sobald Oper, Schauspiel, Pantheon (und vielleicht
auch noch die Bühnen „Werkstatt“ und „Lampenlager“) am gleichen Abend spielen,
was nicht zu verhindern sein wird, führen An-
und Abfahrt von +/- 2000 Besuchern zu heillosen Staus.
Das vorgesehene Parkhaus (als einzige verbleibende Parkfläche) bietet
für max. 200 PKWs Platz.
4. 7. Für die Feuerwehrstation auf dem Gelände muss deshalb
ein anderer Standort gefunden werden.
5. 8. Große Teile des bisherigen Geländes stehen unter
Denkmalschutz und müssen nach bisherigem Stand denkmalgerecht
saniert werden (= ca. 70 Mio!), um weiter nutzbar zu sein;
es sei denn, der Denkmalschutz wird aufgehoben. Dann könnten für max. 10 Mio (eher weniger) neue Werkstätten gebaut werden.
9. Die Nachnutzung des Schauspiels in Bad Godesberg geht
von falschen Voraussetzungen aus: Niemand in der freien Szene
kann ein Haus übernehmen, das
a. einen Sanierungsstau von mind. 52 Millionen Euro zuzgl.
19 % Mwst. hat.
b. nur einen für die freie Szene mit 440 Plätzen viel zu großen Saal
hat
(benötigt und sinnvoll wären mehrere kleine Säle mit 60 – max. 200 Plätzen; Ein
Umbau dafür wäre viel zu kompliziert und teuer, bzw. ist architektonisch nicht
machbar).
c. für seinen Betrieb angestelltes
Fachpersonal, insbesondere hinsichtlich der
Technik benötigt.
2. 10. Ein Verzicht auf einen attraktiven Spielbetrieb im
Schauspielhaus Bad Godesberg ist für die Godesberger
Innenstadt
nicht zu verkraften.
11. Für
Interimsspielstätten können preisgünstige Lösungen
gefunden werden: Mit der Perspektive einer überschaubaren Bauzeit wäre das
Publikum sicher bereit (ähnlich wie bei BOB und Beethovenfest, die jahrelang
auf ihren Konzertsaal verzichten mussten) zur kreativen Nutzung vieler vorhandener
Spielorte. Eine Zeltlösung (siehe Koblenz) wäre dazu eine kostensparende
Ergänzung.
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in ihrer städtebaulichen Bedeutung, ihrer nachhaltigen Langzeitwirkung und im Hinblick auf die überregional sichtbare Standort-Attraktivität für Wirtschaft, UN, Bundespolitik und Universität,
dass sie nicht zuvörderst nach Kassenlage entschieden werden kann.
Um zu verhindern, dass hier eine gefährliche Brennpunkt-Brache entsteht, müsste das im gleichen dringlichen Zeitfenster entschieden werden.
Ganz abgesehen davon, dass es bisher keine Idee für eine „hochwertige städtebauliche Lösung“ gibt, dürfte diese einen zusätzlichen dreistelligen Millionenbetrag verschlingen.
Leserbrief von Boris Schafgans (19.3.26)
Auf der Webseite der Stadt heißt
es: „Für die Nachnutzung des dann freiwerdenden Grundstücks der Oper
unmittelbar am Rheinufer eröffnet sich für Bonn die Perspektive an dieser
Stelle sowohl eine Öffnung zum Rheinufer als auch eine neue hochwertige
städtebauliche Komponente zu entwickeln.“
Als „hochwertig“ wurde vor über
15 Jahren auch die geplante Neuerschließung und -bebauung des Viktoriakarrees
gepriesen, die unter der vollen Regie der Stadt stattfinden sollte. Ich spare
mir den Kommentar dazu. Am Ende war es jedenfalls ein Segen, dass es die
Universität war, die den größten Teil des Geländes aufkaufte. Ob ein solcher
Segen im Falle eines Verkaufs der Opernliegenschaft zu erwarten wäre,
bezweifele ich. Vielmehr gehe ich davon aus, dass sie für eine halbe Generation als
Brachland, sporadische Verfügungsfläche für niederschwellige Improvisationen
und sozialer Brennpunkt mitten in der Stadt vor sich hinkümmern würde.
Als hätte die Oper nie zur Bonner Kernstadt
gehört und als wäre die seit Generationen bestehende Identifikation mit ihrem
Gebäude nichts wert, besagt die favorisierte Variante E, dass zwischen
Rheingasse und Kennedybrücke eine Brache entsteht. Was soll hierhin
kommen? Eine Grünfläche? Ein „Sportpark Mitte“? Das UNO-Hauptquartier? Der
Plenarsaal des Bundestages? Ein Benko-Bau für die Stadtverwaltung? Ein Zoo? Ein
Friedhof? Pützchens Markt? Ich bin bestürzt über die Empathielosigkeit und
Brachialmentalität, mit der einer der signifikantesten Orte Bonns zur
Disposition gestellt wird, als befände er sich auf totem Gelände am Stadtrand
und als wären Architektur, Geschichte und Landschaft nur noch lästig.
Als „hochwertig“ wurde vor über 15 Jahren auch die geplante Neuerschließung und -bebauung des Viktoriakarrees gepriesen, die unter der vollen Regie der Stadt stattfinden sollte. Ich spare mir den Kommentar dazu. Am Ende war es jedenfalls ein Segen, dass es die Universität war, die den größten Teil des Geländes aufkaufte. Ob ein solcher Segen im Falle eines Verkaufs der Opernliegenschaft zu erwarten wäre, bezweifele ich. Vielmehr gehe ich davon aus, dass sie für eine halbe Generation als Brachland, sporadische Verfügungsfläche für niederschwellige Improvisationen und sozialer Brennpunkt mitten in der Stadt vor sich hinkümmern würde.
Was hier vorgeschlagen wird, ist nicht nur die Zerstörung eines großartigen identitätsstiftenden Bauwerks, sondern die Entkernung eines zentralen Stadtgebiets und Zerschlagung seiner gesamten organisch gewachsenen Infrastruktur. Variante E würde einen tiefen Einschnitt des Grauens bedeuten. Variante E ist die Vorprogrammierung des Abgrunds mit katastrophalen Auswirkungen. Am Ende - und dieses Ende wäre schon jetzt ganz nah - müsste das Grundstück im Eilflug verkauft werden. Was Variante E unter Vortäuschung von Preisgünstigkeit auslösen würde, wäre so oder so eine kostenverschlingende Dauerkrise in einem Ausmaß, das die Bonner Stadtpolitik jahrzehntelang nicht in den Griff bekäme: ein Viktoriakarree-Debakel im ganz großen Format. Was nutzen all die Kulturträume für Beuel, wenn dafür in der Innenstadt der blanke Horror ausbricht?
Meint der Oberbürgermeister es ernst, wenn er die Variante E als „Jahrhundertidee“ und das darin virtuell enthaltene Trümmergrundstück am Rhein bereits jetzt distanzierend mit einem „dort“ bezeichnet? „Dort muss etwas im Sinne der Bürger entstehen“. Ja, in wessen Sinn denn sonst? Im Sinne der Bürger wäre tatsächlich, wenn die aberwitzige Jahrhundertidee alsbald von der Diskussionsfläche verschwände. Wirkliche Jahrhundertideen waren die Entscheidungen der Stadt, 1922 das Boeselager-Areal zu erwerben, schon 1946 dafür zu sorgen, dass das zerbombte Grundstück für einen zentralen Kulturbau am Rheinufer freizuhalten ist und am 12. Dezember 1958 zu beschließen, dass darauf das Bonner Stadttheater errichtet wird.
Ich plädiere für die Beibehaltung des Gebäudes
oder zumindest des Orts. Wenn die Bonner Bevölkerung dann einige Jahre ohne
Theater und Oper in den gewohnten Spielstätten oder für eine gewisse Zeit sogar
ohne oder nur mit eingeschränkten Spielzeiten auskommen müsste, behaupte ich,
dass sie es überlebt und umso glücklicher würde, wenn sie anschließend ihr Haus
am Rhein und an der Brücke wieder betreten könnte. Warum nicht als Mehrspartenhaus, wie
es einmal gedacht war, unter Beibehaltung von Godesberg als Spielort, wenn
auch nicht mehr als Hauptdomizil des städtischen Schauspiels? Und das Beueler
Gelände bleibt so, wie es ist, und wird perspektivisch weiterentwickelt in
Richtung Kultur, ob mit Interimsmodulen oder ohne. Über sie als Dauerlösung für
ein künftiges Zentrum des Bonner Theaterlebens zu debattieren, versagt sich
schon angesichts der unglaublichen Kehrseite der Variante E.
EINE OPER DER ZUKUNFT FÜR BONN
vollständiges Interview General-Anzeiger mit Solveig Palm v. 12. März 2026:
- Wie positionieren Sie sich zur favorisierten Variante E (Neubau von Oper und Schauspiel am Standort Beuel)?
Ein merkwürdiger Tausch: Die angeblich so wichtige freie Szene soll eines der großen maroden Häuser übernehmen; Oper/Schauspiel dagegen verstecken ihren Neubau in kuscheliger Nähe zur off-Szene, aber ohne echte Kooperation. Ob die einzelnen Kostenpositionen in den verschiedenen Varianten konsequent durchdekliniert sind, lässt sich erst nach genauerer Analyse des über 300seitigen Dossiers der Stadt einschätzen. Ausschlaggebend für den Vorschlag der Verwaltung war aber offensichtlich, dass es möglichst billig werden soll. Doch was im ersten Moment günstig aussieht, kann auf längere Sicht teuer werden. Seit langem wird beklagt, dass die Stadt ihr internationales Alleinstellungsmerkmal als Beethovenstadt kaum vermarktet. Nach der mageren Auslastung der überteuerten Beethovenhalle droht nun mit der „Unsichtbarmachung“ der Oper ein weiterer Abstieg der an sich mit überregional bedeutenden Häusern und Institutionen für den internationalen Tourismus hoch attraktiven Stadt. Doch wo bleibt das überregionale Publikum? Die nur äußerliche Nähe zur Off-Szene mag sympathisch aussehen, hilfreich für die Standort-Attraktivität für Wirtschaft und Tourismus ist sie nicht.
- Welche Vorteile sehen Sie in der Variante E? Welche Nachteile?
1.Eine Neubaufläche bietet im Prinzip die Chance, Oper in die Zukunft zu denken. Die technischen Möglichkeiten im Inneren sind für die ästhetische Weiterentwicklung der Gattung Oper in Zukunft von zentraler Bedeutung. Diese Vorteile würden aber umso wirksamer an einem zentralen, sichtbaren, gut erreichbaren Standort.
2. Sparsame Baukosten erzielt man hauptsächlich durch professionelle Bauplanung und -steuerung. Zugänglichkeit, Erreichbarkeit, gastronomisches Umfeld - all das ist in peripherer Lage nur durch zusätzliche Infrastruktur-Kosten zu erreichen.
3. Die Nutzbarkeit des Schauspielhauses für die freie Szene ist blanke Illusion, a) wegen des Sanierungsstaus, b) dem einen, viel zu großen Saal sowie c) des Bedarfs an technischem Fachpersonal für den Betrieb. Niemand aus der freien Szene, die dazu übrigens auch nicht gefragt wurde, kann sich das aufbürden. Vielmehr helfen würde es, wenn die Oper in die Lage versetzt würde, ihr bisher totes Kapital des gigantischen Fundus‘ (Kostüme, Requisiten, Möbel etc., aber auchihr kostbares technisches Know how) mit der freien Szene zu teilen. Auch eine „Werkstattbühne“ sollte in Zukunft der freien Szene zur Verfügung gestellt werden.
- Welche alternativen Varianten kämen Ihrer Meinung nach gegebenenfalls auch infrage?
Auf ein sichtbares Aushängeschild der weltweit bekannten Beethovenstadt darf nicht verzichtet werden. Die Oper gehört bestenfalls an den Rhein und ins Herz der Stadt, zur Not noch an den Standort Landesbehördenhaus, der gut sichtbar und erreichbar ist, noch über eine vorhandene Garage verfügt und auch für Fundus und Werkstätten reichlich Platz böte (im Übrigen überbaut werden könnte, ähnlich wie die „Elphi“). Vorzuziehen wäre gleichwohl der innerstädtische Standort, da hier ohne die Oper tatsächlich eine kulturelle Verödung droht. Solang es für das Schauspielhaus keine realistische kulturelle Nachnutzung gibt, sollte das Haus seine bisherige Funktion behalten. Durch den Verzicht im Neubau könnten hier Mittel für die Sanierung frei werden. Es wäre übrigens für klein besetzte Opernproduktionen durchaus als Interimsspielstätte geeignet.
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Offener Brief v. 27. Feb. 2026 zum Thema Oper der Zukunft:von Solveig Palm
Armutszeugnis Oper: Beinahe hätte man sich gefreut: Es gibt einen Neubau der Oper, weil man sich letztlich doch der Erkenntnis beugen musste, dass eine Sanierung in jeder Hinsicht, zeitlich und finanziell, unkalkulierbarer ist als ein Neubau.
Aber leider kommt man gleich ins Stocken:
"die denkmalgeschützten Fassaden der Theaterwerkstätten mit integriertem Opern-Neubau... würden für die architektonische Qualität der Gesamtanlage sorgen". Oper als Teil der Werkstätten, weil diese - im Gegensatz zur Oper - unter Denkmalschutz stehen? Eine Backstein-Ecke von zweifelhafter Hübschheit mit seitlichem Schornstein als Gesicht der Oper?
Wedelt da der Schwanz mit dem Hund?
Man kommt aus den Fragezeichen gar nicht mehr heraus: Was darf man sich unter Holz-Modulbauweise vorstellen?
Die im GA-Artikel genannten Beispiele in München, Coburg und Kassel sind ausschließlich als Interimsspielstätten gedacht, weil eben diese Konstruktionen weder schön noch dauerhaft haltbar sind. (Allenfalls funktional überzeugt das Interimshaus in Kassel mit seiner Befreiung von der starren herkömmlichen Bühnen-Publikums-Hierarchie!) - Kann eine ehemalige Jutespinnerei mit Schornstein an der Peripherie eines Bonner Stadtteils jenseits des Zentrums wirklich das Gesicht eines Opernbetriebs werden?
Wer sich das ausgedacht hat, verabschiedet sich von dem, zu was Opernhäuser unseres Landes in den letzten Jahrhunderten erblüht sind: in ihnen kulminiert die komplexeste und aufwendigste Kunstform, die je entwickelt wurde, und die mehr Publikum anzieht, als jede andere Kunstform. Oper ist teuer, nicht weil Startenöre sich goldene Nasen verdienen, sondern weil an jedem Opernabend hunderte Menschen beteiligt sind, um diese Großkunstwerke lebendig zu machen.
Selbstverständlich muss man Wege finden, wie man diese Großmaschinerien besser für die freie Szene nutzbar macht; auch muss man darüber nachdenken, wie eine "Oper der Zukunft" aussehen kann, in der auch Werke des 21. Jahrhunderts ausverkauft sind. Die Finanzierung eines Orchester-, Sänger-, Chor- und Werkstätten-Betriebs wird auch in Zukunft den größten Brocken eines Kulturhaushalts verschlingen. Deshalb gehört ein solches Haus an die Stelle einer Stadt, die früher Tempel und Kirchen eingenommen haben: ein sichtbarer und selbstbewusster Standort im Herzen der Stadt. Beim Überdenken der städtischen Liegenschaften würden einem noch einige Varianten einfallen:
z. B.
- Integration der Werkstätten in einen Opernneubau und Verkauf des Beueler Geländes?
- Godesberger Schauspiel und/oder Stadthalle Godesberg als Interimsspielstätte?
- Nutzung des Landesbehördenhauses als Interimsspielstätte oder Werkstatt-Fläche oder Neubau-Standort?
Wirklich durchgerechnet erscheinen die bisherigen Varianten nicht, denn ein Weiterbetrieb des Godesberger Schauspiels für die freie Szene (die dazu gar nicht gefragt wurde) würde ja auch die vorherige Sanierung erfordern und kostet zusätzliches Geld im laufenden Betrieb. Außerdem ist der eine Saal mit über 400 Plätzen für die freie Szene viel zu groß.
Wollten wir nicht als "Beethovenstadt" sichtbarer werden?
Kann man, ja darf man einen so teuren Kulturbetrieb schamhaft an der Peripherie verstecken? Die Diskussion muss jetzt erst richtig losgehen: Die jetzt scheinbar billigste Variante (das war ja offenbar das ausschlaggebende Kriterium) kann sich langfristig als die teuerste erweisen, wenn Oper nicht mehr das sein darf, was sie sein kann: die schönste und größte Kunstform, in der sich die Komplexität unserer ganzen Gesellschaft spiegelt. Vielleicht gibt es schöne und haltbare Versionen von Holzmodul-Bauten, aber Oper als billiger Fertigbau versteckt hinter Backsteinruinen - das wäre ein buchstäbliches "Armutszeugnis".
von Solveig Palm
Armutszeugnis Oper: Beinahe hätte man sich gefreut: Es gibt einen Neubau der Oper, weil man sich letztlich doch der Erkenntnis beugen musste, dass eine Sanierung in jeder Hinsicht, zeitlich und finanziell, unkalkulierbarer ist als ein Neubau.
Aber leider kommt man gleich ins Stocken:"die denkmalgeschützten Fassaden der Theaterwerkstätten mit integriertem Opern-Neubau... würden für die architektonische Qualität der Gesamtanlage sorgen". Oper als Teil der Werkstätten, weil diese - im Gegensatz zur Oper - unter Denkmalschutz stehen? Eine Backstein-Ecke von zweifelhafter Hübschheit mit seitlichem
Schornstein als Gesicht der Oper?
Wedelt da der Schwanz mit dem Hund?
Man kommt aus den Fragezeichen gar nicht mehr heraus: Was darf man sich unter Holz-Modulbauweise vorstellen?
Die im GA-Artikel genannten Beispiele in München, Coburg und Kassel sind ausschließlich als Interimsspielstätten gedacht, weil eben diese Konstruktionen weder schön noch dauerhaft haltbar sind. (Allenfalls funktional überzeugt das Interimshaus in Kassel mit seiner Befreiung von der starren herkömmlichen Bühnen-Publikums-Hierarchie!) - Kann eine ehemalige Jutespinnerei mit Schornstein an der Peripherie eines Bonner Stadtteils jenseits des Zentrums wirklich das Gesicht eines Opernbetriebs werden?
Wer sich das ausgedacht hat, verabschiedet sich von dem, zu was Opernhäuser unseres Landes in den letzten Jahrhunderten erblüht sind: in ihnen kulminiert die komplexeste und aufwendigste Kunstform, die je entwickelt wurde, und die mehr Publikum anzieht, als jede andere Kunstform. Oper ist teuer, nicht weil Startenöre sich goldene Nasen verdienen, sondern weil an jedem Opernabend hunderte Menschen beteiligt sind, um diese Großkunstwerke lebendig zu machen.
Selbstverständlich muss man Wege finden, wie man diese Großmaschinerien besser für die freie Szene nutzbar macht; auch muss man darüber nachdenken, wie eine "Oper der Zukunft" aussehen kann, in der auch Werke des 21. Jahrhunderts ausverkauft sind. Die Finanzierung eines Orchester-, Sänger-, Chor- und Werkstätten-Betriebs wird auch in Zukunft den größten Brocken eines Kulturhaushalts verschlingen. Deshalb gehört ein solches Haus an die Stelle einer Stadt, die früher Tempel und Kirchen eingenommen haben: ein sichtbarer und selbstbewusster Standort im Herzen der Stadt. Beim Überdenken der städtischen Liegenschaften würden einem noch einige Varianten einfallen:
z. B.
- Integration der Werkstätten in einen Opernneubau und Verkauf des Beueler Geländes?
- Godesberger Schauspiel und/oder Stadthalle Godesberg als Interimsspielstätte?
- Nutzung des Landesbehördenhauses als Interimsspielstätte oder Werkstatt-Fläche oder Neubau-Standort?
Wirklich durchgerechnet erscheinen die bisherigen Varianten nicht, denn ein Weiterbetrieb des Godesberger Schauspiels für die freie Szene (die dazu gar nicht gefragt wurde) würde ja auch die vorherige Sanierung erfordern und kostet zusätzliches Geld im laufenden Betrieb. Außerdem ist der eine Saal mit über 400 Plätzen für die freie Szene viel zu groß.
Wollten wir nicht als "Beethovenstadt" sichtbarer werden?
Kann man, ja darf man einen so teuren Kulturbetrieb schamhaft an der Peripherie verstecken? Die Diskussion muss jetzt erst richtig losgehen: Die jetzt scheinbar billigste Variante (das war ja offenbar das ausschlaggebende Kriterium) kann sich langfristig als die teuerste erweisen, wenn Oper nicht mehr das sein darf, was sie sein kann: die schönste und größte Kunstform, in der sich die Komplexität unserer ganzen Gesellschaft spiegelt. Vielleicht gibt es schöne und haltbare Versionen von Holzmodul-Bauten, aber Oper als billiger Fertigbau versteckt hinter Backsteinruinen - das wäre ein buchstäbliches "Armutszeugnis".






